Freitag, 11. Juli 2014
11.07.14 Thema "Ich"
Heute morgen stand ein Kollege vor der verschlossenen Tür. Ich öffnete für ihn vorzeitig. Ein wenig durcheinander erklärte er mir, warum er seinen elektronischen Schlüssel vergessen hatte. Ein Flug war ausgefallen und nun sah sein Arbeitstag ganz anders aus als geplant.

Mir tat er ein wenig leid, aber wir kennen uns nun auch nicht so gut, dass es angebracht gewesen wäre noch mehr Worte zu wechseln. In seiner Position lässt man sich natürlich nichts anmerken - Flexibilität wird erwartet, aber einen kleinen Ruck im Inneren gibt es wohl in jedem von uns, wenn etwas ganz anders läuft als geplant.

Bei mir dauert es meist eine Weile bis ich begreife: Hopla, der Tag läuft nicht so wie gedacht und das gibt mir mehr Raum für anderes. Habe ich es erst begriffen ist es unglaublich befreiend.

Dennoch ist es jedes Mal von Neuem verführerisch. Der Geist macht einen Plan, hackt sich darin fest und verliebt sich in diese Vorstellung. So ist es mit dem Tagesablauf, so ist es aber auch mit dem Bild, dass ich mir von mir mache.

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Mittwoch, 9. Juli 2014
09.07.14 Thema "Ich"
Zwei Freunde vereinbaren miteinander: Wer zuerst stirbt, erscheint dem anderen und sagt ihm, wie es ist.

Tatsächlich hält sich der zuerst Verstorbene daran und erscheint dem Freund. Dieser fragt neugierig: „Na, wie ist es denn nun?“

„Ganz anders“, sagt der Freund und verschwindet wieder.

Kampf um einen Platz auf dem Sonnenhut

Diese Woche erhalte ich eine Mail von einem 37 jährigen Mann (12 Jahre jünger als ich)über ein Singleportal: „Weißt Du eigentlich, dass Du eine sehr sympatische Ausstrahlung hast? Und ein hübsches Gesicht hast Du auch. Ich frag mal ganz keck: Wie ist eigentlich das sexuelle Verlangen in Deinem Alter im Vergleich zwischen 20 und 30 Jahren?“

Auf solche Fragen antwortet man am besten gar nicht, oder ganz allgemein. Da ich mich gerne schreiben höre, entscheide ich mich für letzteres.

Zunächst: Die Frau, die ich mit 20 oder 30 war, gibt es nicht mehr. Den Sex, den ich mit 20 oder 30 hatte, den gibt es, Gott sei Dank, auch nicht mehr (in meinem Leben).

Mein Blick hat sich verändert generell und natürlich auch bei diesem Thema. Das Verlangen hat sich definitiv verändert. Es ist nicht mehr so drängend. Mir ist das ganze Thema nicht mehr so wichtig. Das geht mir aber mit vielen Themen so. Ob ich mich jetzt im Moment wohl fühle, das ist wichtig, mit was oder mit wem ist nicht wichtig.

Schildkroeten, gemeinsames Sonnenbaden

Ich weiss heute genau was ich will. Früher wusste ich nur immer was die anderen gerne hätten (oder habe wenigstens geglaubt ich wüsste es). Zwischen 20 und 30 war mir wichtig, dass alle mit mir zufrieden sind und dass ich möglichst schon im Vorhinein deren Gedanken lesen könnte, damit ich mich genau so verhalten kann, wie es am besten für alle ist.

Heute bin ich egozentrisch – meine Welt kreist um mich. Das dürfen die anderen gerne mit sich selbt ebenso machen. Ich bin davon überzeugt: Nur so kann eine Beziehung (oder auch nur eine Interaktion) wirklich funktioniert, indem man dem anderen und sich selbst Freiraum gibt und ehrlich miteinander umgeht.

Biene

Würde ich meinem 20jährigen Ich erscheinen und sollte ihm sagen, wie das Leben mit 49 Jahren so ist, müsste ich sagen: „Ganz anders!“

Oder noch genauer: „Viel schöner!“

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Sonntag, 6. Juli 2014
06.07.14 Thema "Ich"
Beim Besuch einer Freundin haben wir zusammen alte Fotoalben angesehen. Ihre erstaunte Feststellung war, dass ich auf jedem Bild anders aussehe... Andere Frisur, anderes Gewicht, anderes Alter, vieles wirkt auf uns ein und das Spiegelbild zeigt im Laufe der Jahre die verschiedensten Gesichter.

Photoalbum

Wir verändern uns, nicht nur äußerlich. Bin ich innerlich ausgeglichen beantworte manche Frage völlig anders als in einer wütenden oder traurigen Stimmung. Kinder wissen meist sehr genau wann sie ihre Eltern um etwas bitten müssen und wann man seine Frage um Erlaubnis besser verschiebt.

So ist das scheinbar statische Bild, das wir uns oft voneinander machen, eine Illusion

Eulenspiegel

Unser Körper tauscht jeden Moment Sauerstoff und Stickstoff mit der Umgebung. Nahrung und Flüssigkeit wird verarbeitet und wieder ausgeschieden, Zellen entstehen, werden alt, um dann ausgetauscht zu werden.

So manch ein Freund oder Bekannter kann uns für ein Thema interessieren das wir zuvor nicht beachtenswert fanden.

Alles fließt, das "Ich" ist gar kein "Ich", sondern ein interaktives Hin und Her und Weiter.

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